P l e i n t i n g  an der Donau

 

„Wo ins Felsental  hinein die Donau fließt

Und  von trauter Höh herab ein Kirchlein grüßt

Dort  tönt in frischer Lust

Ein Lied aus deutscher  Brust“

 

Dieser Sängerspruch des Pleintinger Gesangvereins „Harmonie“ charakterisiert treffend die geographische Lage des Marktes Pleinting. Nach der Felsenenge in Weltenburg  wird die Donau erstmals wieder in Pleinting  durch Granitfelsen eingeengt.
 

                                        

Die Ortsansicht von Osten gesehen, zeigt wie die Insel Wörth die Donau rechts vom Altwasser trennt.

Links im Bild der Höhenzug der in der Altenstraße No. 62 und No. 66 mit riesigen Granitblöcken den Anfang nimmt.

Rechts im Bild das ehemalige Ölkraftwerk „Bayernwerk“ – heute „e.on“.

Eine weitere Ansicht des Marktes zeigt den Ortskern mit der Pfarrkirche und im Vordergrund  die 1978 entstandene Siedlung Am Frauenberg. Am linken Bildrand die Pfarrhof Siedlung deren Baubeginn 1967 war.

Das Kirchlein auf trauter Höh – die Frauenberg Kapelle – war eine Wallfahrtskapelle, ursprünglich ein Holzbau. Aufgefundene Votivtafeln seit dem Jahr 1689 bezeugen eine Jahrhunderte überdauernde Wallfahrt.

 

 

                                        

 

                                                           

 

Die Ortsansicht von Westen zeigt vorne rechts die Kirchbachfeldsiedlung, in der Mitte links von der Bahn den Ortskern, rechts von der Bahn die Siedlung Am Plattel und darüber die Frauenbergsiedlung. Die Insel Wörth befindet sich am oberen Bildrand in der Mitte. Die Sportanlagen und das Freibad befinden sich am unteren linken Bildrand ( nicht sichtbar )

 

   

 

Der Stich von Michael Wening (1645-1718) bezeugt einen regen Handel in Pleinting. Waren werden auf der Donau umgeschlagen. Ein Schiff landet am Donauufer in der Marktmitte. Die Hauseingänge sind im Gegensatz zu heute dem Fluss zugewandt.

 

„Marckh Pleinting“ in mittelalterlicher Schreibweise ist auf dem Stich zu lesen.

Es existiert heute jedoch keine Urkunde mehr über die Verleihung der Marktrechte. Wahrscheinlich wurde das Schriftstück im Landshuter Erbfolgekrieg in der Nacht vom 20. zum 21.12.1504 beim großer Brand des Marktes ein Raub der Flammen.

 

Laut Chronik von Prof. Franz S. Scharrer erhob Graf Rapoto III. von Ortenburg 1241 Pleinting zum Markt.

In einer Urkunde wird Pleinting 1247 als ortenburgischer Markt bezeichnet. Der Ort gehörte damals als Lehen Rapoto III. Graf von Ortenburg.

 

Die erste urkundliche Erwähnung von Pleinting – damals  „plidmuntinga“ – läßt sich 748 in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Mondsee nachweisen (erste Urkunde von Vilshofen aus dem gleichen Anlaß im Jahr 776). Demnach ist Pleinting älter als Vilshofen.

 

Am 26. September  1554 wurde dem Markt Pleinting durch den Pfalzgrafen Albrecht V. Herzog von Ober- und Niederbayern das Wappen verliehen.

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                   – Ein weißer Hirsch auf drei grünen Hügeln –

                                                           

 

Schon vor 4500 Jahren siedelten in Pleinting Menschen. Bei Ausgrabungen im März 1999 wurden auf einem Feld im Osten des Marktes  in 25 Zentimeter Tiefe ein Skelett, Feuersteine und Keramikstücke aus der Jungsteinzeit gefunden.

 

Zwangseingemeindung nach Vilshofen

 

Dieser seit Jahrhunderten bestehende Markt wurde  am 1.5.1978 durch die Gebietsreform – durch Verordnung der Regierung von Niederbayern – gegen den Willen seiner Bürger nach Vilshofen eingemeindet und damit als Markt ausgelöscht. Der Grund waren die Steuereinnahmen durch das Bayernwerk.

 

Wir zitieren aus einem Schreiben der Bayerischen Staatsregierung die Begründung für die Eingemeindung:

 

“Die Gemeinde Pleinting ist Sitz eines Kraftwerkes. Das Steueraufkommen ist daher für eine Gemeinde dieser Größe außergewöhnlich hoch. Finanziell wäre sie in der Lage, eine leistungsfähige Verwaltung aufzubauen, zumal mit einem weiteren erheblichen Ansteigen der Gewerbesteuereinnahmen gerechnet werden kann, da 1976 ein zweiter Block des Kraftwerkes mit einer fast eineinhalbmal so großen Kapazität in Betrieb genommen wird. Insofern ist ihr Wunsch, sich mit Alkofen zu einer Einheitsgemeinde zusammenzuschließen, verständlich. Eine derartige Lösung wäre aber  nicht sachgerecht. Es ist kommunalpolitisch nicht vertretbar, wenn die Stadt Vilshofen als Mittelzentrum zwar die Einrichtungen für die Versorgung der Bevölkerung des ganzen Raumes und damit auch für die Gemeinden Pleinting und Alkofen zur Verfügung stellen muß, die dafür nötigen Mittel aber der Nachbargemeinde verbleiben. Erst durch die Eingliederung der finanzkräftigen Gemeinde Pleinting erhält die Stadt Vilshofen die zur Wahrnehmung der ihr als Mittelzentrum zukommenden Aufgaben nötigen Finanzmittel. Übergeordnete Gesichtspunkte des öffentlichen Wohls gebieten deshalb die Eingliederung der Gemeinden Pleinting und Alkofen auch gegen ihren Willen.“

 

Um wenigstens das Kopfgeld in Höhe von 80 DM pro Einwohner zu retten, stimmte der Pleintinger Marktrat der Eingemeindung am 17.12.1975 zu.

 

Gründung der Bürgergemeinschaft

 

Elf Jahre nach der Eingemeindung machte sich in der Bevölkerung Pleintings Unmut breit. Es wurden seitens  der Stadt keine Investitionen vorgenommen. So kam es am 17.6.1989 zur Gründung der Bürgergemeinschaft Markt Pleinting e.V.

Eine Aufstellung der Stadt Vilshofen nach ihren Haushaltsplänen von 1979-1989 wies für Pleinting eine Summe von DM 3.039.500  auf. Dieser Betrag wurde jedoch vom Bayerischen Innenministerium auf DM 364.000 korrigiert (Schreiben vom 13.4.1994).

 

Im März 1993 führte dieBürgergemeinschaft unter den wahlberechtigten Bürgern eine Befragung durch, ob sie die Wiederbildung des Marktes Pleinting wünschen. Von 1111 Bürgern stimmten 1057 für die Selbständigkeit von Pleinting. Die Aktion wurde mit versiegelten Kartons und Namenslisten durchgeführt und unter Aufsicht von Notar Dr. Huber, Vilshofen, geöffnet und gezählt (Protokoll vom 23.3.1993).

Aufgrund des überragenden Wunsches der Bürger für einen selbständigen Markt Pleinting reichte die Bürgergemeinschaft im Herbst 1993 zum 4. Korrekturgesetz zur Gebietsreform eine Petition  beim Bayerischen Landtag ein.

 

Im April 1995 klagten 259 Bürger in einer Popularklage vor dem Bayerischen Verfassungsgericht auf  Selbständigkeit des Marktes Pleinting, ohne Erfolg.

Nachdem auch andere Gemeinden z.B., Kößlarn eine Popularklage verloren hatten und dennoch durch eine folgende Petition selbständig wurden, reichte die Bürgergemeinschaft Pleinting 1997 zum 5. Korrekturgesetz die zweite Petition und 2001 zum 6. Korrekturgesetz die dritte Petition ein.

 

Alle drei Petitionen wurden im Ausschuss für Kommunale Fragen und Innere Sicherheit von der CSU abgelehnt.

SPD und Grüne stimmten für die Wiederbildung des Marktes.

 

Seit Beginn der Gebietsreform haben an die 300 Gemeinden ihre Eigenständigkeit wieder erlangt, darunter auch Einheitsgemeinden (wie Pleinting) Irlbach bei Straßkirchen, Albaching im Landkreis Rosenheim, Ermershausen im Landkreis Haßberge, Bechtsrieht im Landkreis Neustadt a.d. Waldnaab, Baar im Landkreis Augsburg und Rettenbach a. Auerberg im Landkreis Ostallgäu.

 

Die Petitionen der Bürgergemeinschaft wurden stets mit der Begründung abgelehnt, dass nach Art. 11 Abs. 3 Nr. 3 der Gemeindeordnung eine 2/3 Mehrheit des Vilshofener Stadtrates für die Selbständigkeit des Marktes Pleinting stimmen muss.

 

Kraftwerk Pleinting wird komplett konserviert

 

Am 10. Oktober 2000 wurden die Pleintinger Bürger mit der Hiobsbotschaft überrascht, dass das Ölkraftwerk Pleinting kaltgestellt wird. Der Grund war die Fusion der Bayernwerk AG und der Preußen Elektra im Juli 2000 zum größten privaten Energieversorger Europas e.on und die dadurch entstandene Überkapazität. So verlor die Stadt Vilshofen ihren größten Gewerbesteuerzahler. Trotz Wegfalls dieser Einnahmen, die ursprünglich der Grund für die Zwangseingemeindung waren, bekam Pleinting seine Selbständigkeit nicht zurück.

 

Im Gegenteil sagte Bürgermeister Hans Gschwendtner öffentlich im Dezember 2000:

„Solange ich Bürgermeister bin, bleibt Pleinting bei Vilshofen!“

 

Trotz dieses Ausspruches lässt sich die „Bürgergemeinschaft Markt Pleinting e. V.“ nicht von ihrem Ziel abbringen und setzt sich weiterhin für ein selbständiges Pleinting ein.

 

Wir geben die Hoffnung nicht auf! Wer hätte gedacht, dass einmal die Berliner Mauer fällt und Deutschland wieder eine Einheit wird? Wer hätte gedacht, dass das Bayernwerk in Pleinting stillgelegt wird?

 

 

Wir wollen, dass wieder „Markt Pleinting“ auf unserem Ortsschild steht.